Ein müdes Lächeln seitens der Kapitalisten – oder: 3% gegen den Rest der Welt!

Gespiegeltes Mainhatten

Image by Mainbube via Flickr

Wie letzte Woche angekündigt, hatten wir heute ein Gespräch mit jemandem, der Kontakt zu kapitalstarken Investoren hat.

Die Idee: Keine Möglichkeit auslassen, um das RealExperiment zum fliegen zu bringen.

Die Erwartung: Eine positive Überraschung entgegen unser eigenen Vorurteile.

Die Wirklichkeit:
Wir hatten ein ruhiges und sachliches Gespräch mit einem angenehmen, offenen und direkten Gesprächspartner. Die Art von Gesprächen, die zwar nicht immer die erwünschten Ergebnisse haben und dennoch zu einer schnellen und umfassenden Klärung beitragen. So weiß man am Ende auf jdenen Fall, woran man ist.
Unser Gesprächspartner, nennen wir ihn einfach mal Max, hatte den Film angeschaut und war nun gespannt, was wir ihm Weiteres zu erzählen hatten. Nach knapp acht Minuten war klar, unser Vorhaben hebt sich deutlich von anderen Investments ab. Kein bestimmtes Produkt im Vordergrund oder auch nur ein kalkulierbarer Service, kein klarer ROI, kein Businessplan für die nächsten 3, 5 oder gar 10 Jahre, keine Exit-Strategie für das Investment, keine Zinssätze, keine Einflussnahme durch die Geldgeber – alles in allem, keine Investiton. Sein Resümee:

  • Ihr sucht einen Mäzen und keinen Investor.
  • Keine Investition in ein Experiment, das in Konsequenz die Welt der Investment-Spekulanten angreift.
  • Kein Geld für öffenlich transparente Ergebnisse (sonst wär ja jemand schön blöd, wenn er wertvolle Erkenntnisse für andere finanziert…).
  • Summa Summarum: Keine Kontakte und kein Geld für das RealExperiment

Max persönliche Einschätzung: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand der Geld hat, so etwas finanziert. Und ganz abgesehen davon, glaube ich auch nicht daran, dass so ein Unternehmen möglich ist.“

Vielen Dank Max, Du hast bei uns für eine neue Klarheit gesorgt und, was vielleicht noch wichtiger ist, eine neue Idee ausgelöst!

Es ist wohl so: Kaum einer der 3%, für die  1,5 Mio. ein Klacks sind, den sie aus der Porto-Kasse bezahlen, ist dumm genug, in das RealExperiment zu investieren. Denn wenn wir recht hätten und eine Firma auf diese Art wirtschaftlich erfolgreich, wettbewerbsfähig und wohlstandsgenerierend für all seine Mitarbeiter wäre, hätten die Erzkapitalisten ein Problem – die Erzsozialisten übrigens auch. Nur eben 89% der Bevölkerung stände besser da, doch wen interessiert schon deren Wohlergehen jenseits ihrer Funktion als stoische Konsumenten oder ohnmächtige Steuerzahler?

Folgender Glaubenssatz steht uns jetzt im Weg: Die Mächtigen sind mächtig und der Rest hat sich zu fügen.

Wer daran wirklich glaubt, für den ist das RealExperiment jetzt zu Ende.

Wie sieht die Alternative aus?
Wenn Onkel Dagobert den Säckel nicht aufmacht, dann müssen eben umso mehr Ticks, Tricks und Tracks ran!

Natürlich werden wir weiterhin einen Mäzen suchen, so schnell geben wir nicht auf. Dennoch ist nach diesem Gespräch klar: Es könnte eine gute Alternative sein, einen Teil oder die gesamte Finanzierung des RealExperiments auf viele Schultern zu verteilen, als sich auf einen starken Rücken zu verlassen. So verringert sich das einzelne Risiko und die Idee gewinnt dennoch an Fahrt.

In Amerika gibt es einen Präsidenten, der einen guten Teil seines Wahlkampfs über Kleinstspenden unter 50$ finanziert hat. Das Ergebnis davon ist, dass er wesentlich unabhängiger von den Industriebossen ist, als alle Präsidenten vor ihm. Das macht ihn nicht wirklich unabhängig. Unberechenbarer – auch und gerade zum Positiven hin – allerdings schon.
Ein amerikanischer Präsident braucht ein Vielfaches von 1,5 Mio, um einen Wahlkampf von wenigen Wochen zu führen. Wir brauchen 1,5 Mio und das RealExperiment produziert über einen Zeitraum von 5 Jahren Ergebnisse und Erkenntnisse. Gerade und vor allem für kleinst, kleine und mittlere Unternehmen, die 1,5 Mio. auch nicht so rumliegen haben.

Unsere Ideen für das weitere Vorgehen:

  • Mehr Rummel um das RealExperiment von allen, die es für wert erachten, dass wir in die Umsetzung kommen (seit heute haben wir Kontakt in die Politik!).
  • Nicht nur auf Spenden hoffen und stattdessen eine verbindliche Vereinbarung auch für Kleinstbeträge anbieten, über die wir diese wieder zurück bezahlen.
  • Mäzen suchen.
  • Spielabende veranstalten, an denen wir Mitspieler (Geldriskierer, keine Mitarbeiter) aktiv gewinnen wollen.

Natürlich freuen wir uns auch weiterhin über eure Hilfe und Unterstützung, wenn jemand eine Idee hat oder uns bei der Umsetzung einer unserer Ideen helfen kann/ möchte, meldet euch, danke!

Herzliche Grüße
Andreas, Gebhard & Markus

6 Antworten to “Ein müdes Lächeln seitens der Kapitalisten – oder: 3% gegen den Rest der Welt!”

  1. Eberhard Huber Says:

    Ich will nicht klein kariert und erbsenzählender Begriffsklärer sein aber dennoch zum Begriff des Mäzens etwas zitieren (aus Wikipedia):

    Ein Mäzen ist eine Person, die eine Institution, kommunale Einrichtung oder Person mit Geld oder geldwerten Mitteln bei der Umsetzung eines Vorhabens unterstützt, ohne eine direkte Gegenleistung zu verlangen … Vom Sponsoring unterscheidet sich das Mäzenatentum dadurch, dass ihm keinerlei geschäftliche Nutzenerwartung des Mäzen zugrunde liegen.

    In diesem Sinne leiste ich meinen winzigen Beitrag.

    • zeuch Says:

      Hi Eberhard,

      hm – ja, genau. Dieses Begriffsverständnis hatte ich auch vom Mäzen, würde aber noch die ursprüngliche Bedeutung des Förderers von Künstlern hinzufügen wollen. Im Duden Bedeutungslexikon finde ich auch noch Synonyme wie Förderer, Gönner, Unterstützer…

      Jetzt verstehe ich aber nicht, was Du sagen willst? Wir suchen genau so jemanden. Kann aber durchaus auch ein Sponsor sein, solange demjenigen (egal ob echte oder juristische Person) klar ist, dass wir keine Garantien geben können.

      HGA

      • Eberhard Huber Says:

        Hallo Andreas,

        ich war über diese Formulierung gestolpert

        Nicht nur auf Spenden hoffen und stattdessen eine verbindliche Vereinbarung auch für Kleinstbeträge anbieten, über die wir diese wieder zurück bezahlen.

        Wenn ich z.B. auch einen Kleinstbetrag locker gemacht habe, würde ich nicht erwarten den zurück zu erhalten

        viele Grüße Eberhard

        • gebhard Says:

          Hallo Eberhard,
          Du warst gestolpert über:

          Nicht nur auf Spenden hoffen und stattdessen eine verbindliche Vereinbarung auch für Kleinstbeträge anbieten, …

          Wir wollen damit klar machen, dass es uns nicht darum geht einen Spendenmarathon vom Zaun zu brechen und in Konkurrenz mit anderen Hilfsprojekten zu gehen. Das RealExperiment hat eine Gewinnerzielungsabsicht, wie man so schön im Juristendeutsch sagt. Also wollen wir klar stellen, dass wir bereit sind, Unterstützer auch am möglichen Erfolg zu beiteiligen bzw. uns zumindest anstrengen, das geliehene zurück zu bezahlen.
          Das soll Mäzene ganz und gar nicht davon abhalten ihr Geld, ohne Erwartung einer Gegenleistung, für das RealExperiment locker zu machen. Will heißen: Beides ist willkommen und wir verstehen auch beide Anliegen.
          Auch ich erwarte nicht, dass wir jemandem, der 5 € gibt, diese zurück bezahlen müssen. Wenn es gewünscht wird und zur Vertrauensblildung beiträgt, wären wir allerdings dazu bereit.
          Wie das geht und zu welchen Bedingungen, das werden wir nächste Woche zu klären versuchen, wenn wir uns mit Anwalt und Steuerberater treffen.

          Danke für Deine Frage!
          Gruß Gebhard
          PS: Natürlich sind wir auch für jede ernsthafte Vermittlung zu einem Mäzen o.ä. dankbar!

  2. Stefan Lieser Says:

    Früher oder später müssen wir uns wohl auch mal dem Systemfehler im Geldsystem annehmen. Hintergrundinfos dazu z.B. bei der INWO unter http://www.inwo.de

    • zeuch Says:

      Lieber Stefan,

      Danke für die Verlinkung zum INWO e.V. Spannend. Werde ich mir in den nächsten Tagen näher anschauen. Für Dich könnte vielleicht auch mein Blogbeitrag über das hervorragende Buch „Gleichheit ist Glück“ interessant sein. Die beiden Autoren zeigen in einer statistischen Tour de Force (einziger Kritikpunkt des Buches), wie Ungleichheit zu diversen Problemen führt. Die Autoren machen unmissverständlich klar, dass viele gesundheitliche und soziale Probleme vor allem genau in dieser immer größer werdenden (finanziellen) Ungleichheit wurzeln:

      http://www.psychophysik.com/integral-blog/?p=1403

      HGA


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