Was passiert mit dem Einkommen?

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Image via Wikipedia

Es ist schön, dass unser Film bereits mehr als 80 Mal angeschaut wurde und so ist es auch nicht verwunderlich – es gibt die ersten inhaltlichen Fragen. Eine hatte uns Christoph via Mail zugesandt:

Hey Andreas,
Ich hab den Film angeschaut. Ich wollte mal nachfragen, ob ihr den erwirtschafteten Betrag, der über das Grundeinkommen hinaus geht (ab Minute 04:44 im Film), unter allen Mitarbeitern GLEICH verteilen wollt, oder leistungsabhängig ? Ich hab mir die Stelle 2 Mal angesehen, bin mir aber trotzdem noch nicht ganz sicher.
Wär super wenn du mich diesbezüglich aufklären könntest. Interessant finde ich die Idee nämlich wirklich ;)!

Liebe Grüße
Christoph

Vielen Dank für Dein Interesse, Christoph, auch wir sind uns zu dieser Frage noch nicht wirklich einig und haben sie zur detaillierten Klärung auf den Tag verschoben, an dem wir wirklich über das Grundeinkommen hinaus gehendes Einkommen erzielt haben. Nichtsdestotrotz, kann die Frage ja hier schon einmal weiter diskutiert werden.

Grundlage unserer Überlegungen ist, Einkommen kann mit individueller Leistung nicht wirklich in Verbindung gebracht werden. Das ist schon deshalb äußerst schwierig, weil individuelle Leistung ja gar nicht wirklich messbar ist oder besteht. Genau aus diesem Grund wählen wir auch zuerst einmal ein Grundeinkommen, das für alle gleich ist. Das ist zwar nicht wirklich gerecht, kommt Gerechtigkeit allerdings wesentlich näher als irgendwelche utopischen Gehälter für Führungskräfte und der damit verbunden Notwendigkeit, die operative Arbeit auszubeuten.

Also, wie sollen wir es machen, mit dem Unabhängigkeits-Einkommen und dem Wohlstands-Einkommen, was denkt ihr, was sind Eure Ideen?

Seid bereit, auch zu so einem frühen Zeitpunkt des Experiments/ Blogs, in die Diskussion einzusteigen, nur so lebt das Projekt!

Erwartungsfroh gespannte Grüsse
Gebhard

12 Antworten to “Was passiert mit dem Einkommen?”

  1. Eberhard Huber Says:

    Hallo zusammen,

    von den 80 Mal Film angeschaut gehen 3 auf mein Konto😉 Ich bin gerade noch an einigen Stellen am Nachdenken. In Sachen Entlohnung möchte ich schon jetzt einen Gedanken hinzufügen.

    Produktentwicklungen werden ggf. im Team gemacht, dann bestünde doch auch die Möglicheit einen Betrag an das Team zu geben, das diesen dann eigenverantwortlich intern aufteilt. Das habe ich schon erprobt, ein Team kommt da durchaus zu gerecht empfundenen Aufteilungen. Anderes Besipiel: In Uni-Seminaren, in denen ich Projekte durchführe, lasse ich einen Teil der Noten von den Studenten in einer Diskussion im Team festlegen.

    Ich denke autonom agierende Teams werden bei Euch ab einer bestimmten Größe eine Rolle spielen müssen.

    viele Grüße Eberhard

    • zeuch Says:

      Hi Eberhard,

      noch 7 mal gucken, dann bekommst du die „sinnvoll · wirtschaften“ Ehrennadel in Bronze🙂

      Spaß beiseite, freue mich, dass Du den Beginn unseres Experiments so aufmerksam verfolgst. Und ja:

      Produktentwicklungen, Kommerzialisierungsphasen etc. werden sicher im Team gemacht. Keine Frage. An die Möglichkeit Deines Vorschlags hatten wir noch nicht gedacht, finde es aber sehr gut. Wir wissen ja auch von Semco, dass die Selbstzuteilung des Lohns stabil funktionieren kann, auch bei Unternehmen mit mehreren tausend Mitarbeitern. In kleineren Teams funktioniert das bestimmt. Ich werde das mal die Tage mit Gebhard und Markus diskutieren. Dann haben wir wieder Stoff für einen neuen Artikel.

      Bis bald,
      liebe Grüße

      Andreas

      • zeuch Says:

        Live: In diesem Moment skype ich mit Gebhard zu der Frage der Einkommensverteilung. Gerade wird uns klar:

        Szenario 1:
        In den Phasen Ideenentwicklung, Produktentwicklung und Kommerzialisierung werden die Einkommensanteile dieser Phasen schlicht durch die Anzahl der beteiligten geschäftsführenden Gesellschafter gleichwertig aufgeteilt.

        Szenario 2:
        Nur dann, wenn diese Gleichverteilung bei jemandem zu Widerspruch führt, kommt es zu der von Eberhard vorgeschlagenen Teamdiskussion.

        Alles klar?

    • gebhard Says:

      Hi Eberhard,

      auch von mir ein herzlicher Willkommensgruß!
      Ich denke, die Diskussion können wir uns sparen. Da in unserem Unternehmen alle geschäftsführende Gesellschafter sind, können wir gar nicht anders als die Einkommensverteilung im Team entscheiden. Wir können, auch in dieser Entscheidung, schlicht niemanden übergehen und keiner kann es alleine entscheiden.

      Die Geschäftsführer-Gesellschaft klingt, zumindest in dieser Hinsicht, nach einem echten Geniestreich😉

      Gruß Gebhard

      • Eberhard Huber Says:

        Hallo zusammen,

        von einer Gleichverteilung zu starten und im Widerspruchsfall zu verschieben hört sich gut an. Der Diskussionsfall wird wahrscheinlich eher eintreten, wenn eine(r) überragende Beiträge leistet.

        viele Grüße Eberhard

        P.S. das habe ich noch nicht richtig verstanden, sollen langfristig immer alle geschäftsführende Gesellschafter sein. Auch bei einer Firmengröße > 20 Menschen?

        • gebhard Says:

          Hallo,

          von einer Gleichverteilung zu starten und im Widerspruchsfall zu verschieben hört sich gut an. Der Diskussionsfall wird wahrscheinlich eher eintreten, wenn eine(r) überragende Beiträge leistet.

          Oder glaubt sie zu leisten …

          …sollen langfristig immer alle geschäftsführende Gesellschafter sein? Auch bei einer Firmengröße > 20 Menschen?

          Das ist eine der Bedingungen des Experiments – zumindest, falls wir über 20 Menschen wachsen. Es ist die spezielle Herausforderung des Experiments, dass die formale Gleichrangigkeit nicht vom Gutdünken des Eigentümers oder ähnlichem abhängt. Das ist einer der Punkte, an dem wir einen Schritt weiter gehen wollen, als alles, was wir kennen. Die GSWmbH ist gezwungen andere Wege, als in der formalen Struktur begründete Machtentscheidungen, zu finden und zu gehen. Das Kanzlerprinzip oder Order di Mufti wird juristisch ausgeschlossen sein.

          PS soweit beantwortet?

          Gruß Gebhard

        • Eberhard Huber Says:

          Hallo Gebhard,

          danke, ja istsoweit klar. In Verbindung mit einem echten Vetorecht ist das eine echte Herausforderung – Respekt.

          Noch ein Satz zum Mehrleisten eines Einzelnen im Team. Ich beziehe mich auf Fälle in denen das Team sagt „X hat mehr verdient“ ohne dass X das eingefordert hätte. Das kommt vor und ist durchaus von dem zu unterscheiden, wenn jemand lautstark (s)eine Mehrleistung reklamiert.

          viele Grüße Eberhard

        • gebhard Says:

          Hallo Eberhard,

          ch beziehe mich auf Fälle in denen das Team sagt „X hat mehr verdient“ ohne dass X das eingefordert hätte. Das kommt vor und ist durchaus von dem zu unterscheiden, wenn jemand lautstark (s)eine Mehrleistung reklamiert.

          Ja, wir glauben auch, dass das vorkommt und freuen uns schon auf das Gespräch …😉
          Gruß
          Gebhard

  2. Christoph Says:

    Jap, das hast du🙂
    Ich find sowohl die Idee als solches, als auch die Umsetzung interessant. Wenn ich das bisher alles mehr oder weniger richtig verstanden habe, strebt ihr eine Unternehmensform an, die keine hierachische Struktur besitzt. Ich denke, dass gerade bei großen Unternehmen, oder von mir aus auch bei dem von euch aufgegriffenen Beispiel der Politik, eine der Art zentralisierte Führung auf Dauer nicht von Erfolg gekrönt sein kann. Das ist hier zu Lande so und überall sonst (Stichwort bakumatsu könnte an dieser Stelle für Japanfreunde auch interessant sein).
    An der Umsetzung beschäftigt mich vor allem das „wer“. Wer stellt neue Leute ein? Besteht an dieser Stelle nicht die Gefahr, das man das eigene Interesse über das der Firma stellt? Beispielsweise wenn ich jemand bin, der immer Ideen beisteuert und deshalb auf diesem Gebiet lieber keinen „Konkurrenten“ haben möchte. Wer beschäftigt mich überhaupt, wer zahlt mich aus? Oder bin ich etwa Selbstständiger? Wenn ich Arbeitnehmer bin, wer zahlt mir die Hälfte der Krankenversicherung, oder die Rente?
    Natürlich hab ich von dem ganzen Thema eigentlich gar keine Ahnung; vielleicht habt ihr ja schon ganz simple Lösungen, für die in meinen Augen möglich auftretenden Probleme.
    So oder so bin ich auf jeden Fall auch auf die Umsetzung gespannt!

    Liebe Grüße
    Christoph

    • gebhard Says:

      Hallo Christoph,

      danke, dass Du Dich jetzt auch selbst im Blog meldest!

      Wenn ich das bisher alles mehr oder weniger richtig verstanden habe, strebt ihr eine Unternehmensform an, die keine hierachische Struktur besitzt.

      Ich würde das spezifizieren in „keine formale hierarchische Struktur“. Setzt man sich intensiv mit der Hierarchiefrage auseinander, stellt man schnell fest, dass zwischenmenschliche Beziehungen immer von Über- und Unterordnung geprägt sind. Das Schadhafte, finde ich, ist, diese Zuordnungen formal zu fixieren und sozusagen in Stein zu gießen. Da beginnen die Probleme von Hierarchie …

      Ich denke, dass gerade bei großen Unternehmen, oder von mir aus auch bei dem von euch aufgegriffenen Beispiel der Politik, eine der Art zentralisierte Führung auf Dauer nicht von Erfolg gekrönt sein kann. Das ist hier zu Lande so und überall sonst (Stichwort bakumatsu könnte an dieser Stelle für Japanfreunde auch interessant sein).

      Das finde ich eine sehr spannende Aussage. Normalerweise kenne ich die Argumentation: Ab einer gewissen Größe geht es ohne Zentralisation gar nicht mehr.
      Kannst Du Deinen Punkt noch ein wenig ausführlicher erläutern. Der kurze Verweis auf bakamasu (so ganz ohne Link usw.) reicht mir zumindest nicht.

      An der Umsetzung beschäftigt mich vor allem das „wer“.
      Wer stellt neue Leute ein?

      Die Leute stellen die Leute ein, also die bereits existierenden Kollegen. Und, durch die Ermächtigung zum vetofähigen geschäftsführenden Gesellschafter, kann jeder einzeln eine Einstellung verhindern. Einstellen, also den positiven Akt, kann auch jeder, allerdings halt nicht ohne die Zustimmung der Kollegen.

      Besteht an dieser Stelle nicht die Gefahr, das man das eigene Interesse über das der Firma stellt? Beispielsweise wenn ich jemand bin, der immer Ideen beisteuert und deshalb auf diesem Gebiet lieber keinen „Konkurrenten“ haben möchte.

      Ja, die Gefahr besteht, ebenso wie in jeder anderen Firma auch. Wir erwarten: Mitarbeiter die das gemeinsame Wohl des Unternehmens im Blick haben, handeln auch in seinem Sinne. Der Egoismus ist damit sicherlich nicht von der Welt verbannt, allerdings sind wir überzeugt, dass es ergänzend mit entsprechend anderen Kommunikationswerkzeugen bzw. einer anderen Kommunikations- und Entscheidungskultur gelingt, diese und ähnliche Probleme zu überwinden.

      Wer beschäftigt mich überhaupt, wer zahlt mich aus?

      Die Geschäfstführung😉

      Oder bin ich etwa Selbstständiger?

      Nein, Du wärst geschäftsführender Gesellschafter!

      Wenn ich Arbeitnehmer bin, wer zahlt mir die Hälfte der Krankenversicherung, oder die Rente?

      Die GSWmbH!

      Noch Fragen?
      Freue mich schon!
      Gruß Gebhard

  3. zeuch Says:

    Hi Christoph –

    toll, dass du uns so aktiv verfolgst, das freut mich sehr. Und ebenso vielen Dank für das Feedback, dass das noch unklar ist. Also: Unabhängigkeitseinkommen ist ebenfalls gleich. Das Wohlstandseinkommen staffeln wir ganz simpel:

    1. Ideenbeiträge: Wer eine Idee (z.B. Produktidee) geliefert hat, bekommt eine bestimmte Zeit dafür eine Entlohnung. Die läuft mit der Zeit aus. Wie genau – da müssen wir noch schauen. Das läuft noch unter Konzept weiterentwickeln.
    2. Produktentwicklung: Wer an der Produktentwicklung beteiligt ist, bekommt dafür eine Entlohnung, solange er dabei ist.
    3. Kommerzialisierungsphase: Wie 2.

    Natürlich kann jeder auch 1-3 mitmachen. Wenn aber einer nur gerne Ideen sät, kann er auch davon gut leben. Wenn einer nur Produkte entwickeln oder kommerzialisieren will – dito. Oder 1+2, 1+3, 2+3 …

    Jeder kann eine zeitlang, ganz nach Lust und Laune irgendwo dabei sein. Macht aus unserer Sicht eh nur Sinn, wenn man begeistert dabei ist. sonst nicht.

    Ansonsten gibt es keinerlei Differenzierung. so nach dem Motto: Schreibkraft ist weniger Wert als Creative Director. Gibts bei uns ja eh nicht als fixe Rolle. Das soll lebendig in Bewegung bleiben.

    Hab ich Deine Frage beantwortet?

    Was gefällt Dir denn an der Idee?

    Liebe Grüße
    Andreas

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